Schmerzen bei Acne inversa

Erstellt in Zusammenarbeit mit Dr. Boris Bauer, Hautarzt, Würzburg

Schmerzen zählen zu den häufigsten Symptomen der Acne inversa (Akne inversa) und auch zu den quälendsten. Stechend, bohrend, pochend, anhaltend oder wiederkehrend: Der Schmerz kann ganz unterschiedliche Gesichter und verschiedene Ursachen haben. Da Schmerzen die Lebensqualität wesentlich einschränken, ist es wichtig, sie gezielt zu behandeln. Für eine passende Therapie muss die genaue Ursache gefunden und alle Faktoren berücksichtigt werden, die Einfluss auf die Wahrnehmung von Schmerz haben.

Wie entsteht Schmerz bei Acne inversa?

Durch die Entzündung der Haut  bei Acne inversa (Hidradenitis suppurativa) werden Botenstoffe freigesetzt. Sie geben Signale an feine Nervenenden, die Schmerzantennen im Körper. Dadurch werden weitere Stoffe, sogenannte Schmerzmediatoren, ausgeschüttet. Sie machen die Schmerzantennen noch empfindlicher. Die Signale werden über Nervenstränge an das Rückenmark und dann ans Gehirn weitergeleitet. Dort wird der Schmerzreiz ausgewertet und das Schmerzempfinden ausgelöst.

Akuter oder chronischer Schmerz bei Acne inversa

Es gibt akute und chronische Schmerzen bei Acne inversa. Akuter Schmerz entsteht, wenn sich neue Knoten oder Abszesse in der Haut bilden. Die Entzündung selbst, aber auch die Dehnung der Haut durch den Knoten lösen Schmerzreize aus. Viele Menschen mit Acne inversa haben jedoch auch einen dauerhaften chronischen Grundschmerz. Er entsteht durch eine Fehlfunktion der Nerven: Die Entzündung ist zwar abgeklungen, es wird trotzdem ein Schmerzsignal weitergeleitet. Auch eine ausgeprägte Narbenbildung kann chronischen Schmerz verursachen.

Einfluss der Psyche auf Schmerzen

Die Psyche hat einen großen Einfluss auf Schmerzen. Stress, Ängste, Belastungen oder gar eine Depression können die Wahrnehmung von Schmerzen verstärken. Andersherum können auch Schmerzen die Psyche belasten und zu Stress oder einer Depression führen. Bei der Behandlung von Schmerzen ist es daher entscheidend, die psychische Seite zu berücksichtigen. Gezielt für Stressbewältigung und Entspannung zu sorgen beeinflusst die Schmerzwahrnehmung positiv. Sollte es zu einer Depression kommen, ist es auch im Rahmen der Schmerztherapie wichtig, diese zu behandeln.

Schmerzen behandeln: ganzheitlich und interdisziplinär

Eine Behandlung von Schmerzen bei Acne inversa wird immer individuell ausgewählt. Sie richtet sich nach der Art und Ursache der Schmerzen sowie den persönlichen Bedürfnissen. Oft werden unterschiedliche Therapien kombiniert. Der behandelnde Hautarzt weiß, welche Behandlung die passende ist. In vielen Fällen ist es sinnvoll, neben dem Hautarzt weitere Fachärzte in die Behandlung einzubinden, etwa einen Schmerztherapeuten, einen Psychiater oder einen (Dermato-)Chirurgen. Generell kann sowohl die Schmerzquelle behandelt als auch Einfluss auf die Wahrnehmung des Schmerzes genommen werden:

  • Für die Behandlung von Schmerzen, die durch eine Entzündung verursacht werden, ist es wichtig, die Entzündung medikamentös zu kontrollieren.
  • Schmerzmedikamente helfen bei akuten Schmerzen. Es gibt sie mit unterschiedlichen Wirkstärken und -mechanismen. Der behandelnde Arzt weiß, welches Mittel in welcher Dosierung das passende ist.
  • Eine schnelle Linderung akuter Schmerzen, die durch Knoten oder Abszesse entstehen, kann mit einer Operation (Abszessspaltung) erreicht werden.
  • Insbesondere bei chronischen Schmerzen muss auch die Psyche berücksichtigt werden. Neben gezielten Entspannungstechniken kann eine psychotherapeutische Behandlung bei der Schmerzbewältigung unterstützen. Medikamente gegen Depression helfen in bestimmten Situationen auch gegen Schmerzen.

Tipps zum Schmerzmanagement bei Acne inversa

Sprechen Sie Ihren Arzt gezielt auf Ihre Schmerzen an. Beschreiben Sie, welche Einschränkungen Sie dadurch haben. Schmerzen stehen nicht immer im Fokus der Behandlung. Gemeinsam mit Ihrem Arzt können Sie herausfinden, welche Therapie Ihnen helfen kann.


Seien Sie offen für eine psychosoziale Mitbehandlung. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Schmerztherapie.


Tragen Sie weite Kleidung, die nicht an den entzündeten Hautstellen reibt und so den Schmerz weiter fördert. Auch andere Aspekte Ihres Lebensstils können die Acne inversa positiv beeinflussen und dadurch auch Auswirkungen auf Schmerzen haben.


Bitte keine Selbstmedikation: Nicht alle Schmerzmittel sind für jede Art von Schmerz geeignet. Es müssen auch mögliche Nebenwirkungen beachtet werden oder die Auswirkung auf Begleiterkrankungen. Der behandelnde Arzt kann beraten, welche Schmerzmittel im individuellen Fall empfehlenswert sind.


Erlernen Sie eine Entspannungstechnik. Progressive Muskelentspannung, Yoga, autogenes Training oder Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) sind Beispiele dafür. Eine gute Stressbewältigung wappnet Sie auch für den Umgang mit Schmerzen.


Suchen Sie den Austausch in der Selbsthilfe. Egal ob in einer Selbsthilfegruppe oder in einem Forum im Internet – der Erfahrungsaustausch gibt positive Impulse für die Krankheitsbewältigung und kann so auch beim Schmerzmanagement unterstützen.

Quellen:

  1. Horváth B et al. Pain management in patients with hidradenitis suppurativa. J Am Acad Dermatol 2015 (Nov); 73 (5 Suppl 1): S47–51.
  2. Zouboulis CC et al. S1-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa (ICD-10-Ziffer: L73.2). J Dtsch Dermatol Ges 2012; 10 (Suppl 5): 1–31.

Infoflyer Schmerzen

Hier können Sie sich den Infoflyer Schmerzen als PDF-Datei (600 KB) herunterladen.

Schmerztherapeuten

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. bietet im Internet eine Übersicht von Schmerzzentren in ganz Deutschland.
Ein Verzeichnis von Schmerztherapeuten im ganzen Bundesgebiet hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. auf ihrer Webseite.

Hautarzt- und Kliniksuche

Hautärzte sind die richtigen Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung der Acne inversa. Finden Sie einen Experten in Ihrer Nähe.

Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig aktuelle Infos und Neuigkeiten!